XX. Weltjugendtag 2005 in Köln
Da Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande, zur Zeit des Königs Herodes, siehe da kamen die Weisen vom Morgenland gen Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland, und sind kommen ihn anzubeten. Da das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm das ganze Jerusalem; Und ließ versammeln alle Hohepriester und Schriftgelehrten unter dem Volk und erforschte von ihnen, wo Christus sollte geboren werden. Und sie sagten ihm: Zu Bethlehem im jüdischen Lande; denn also stehet geschrieben durch den Propheten: „Und du Bethlehem im jüdischen Lande, bist mit Nichten die kleinste unter den Städten Judas; denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk Israel ein Herr sei.“
Da berief Herodes die Weisen heimlich, und erlernte mit Fleiß von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und wies sie gen Bethlehem, und sprach: Ziehet hin, und forschet fleißig nach dem Kindelein; und wenn ihr`s findet, so sagt mir`s wieder, dass ich auch komme, und es anbete. Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen hin, bis dass er kam und stund oben über, da das Kindelein war. Da sie den Stern sahen wurden sie hoch erfreut. Und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder, und beteten es an, und taten ihm Schätze auf, und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. Und Gott befahl ihnen im Traum dass sie sich nicht sollen wieder zu Herodes lenken; und zogen durch einen anderen Weg wieder in ihr Land. (Mt.2)
Ein wenig erinnert diese alte Geschichte schon an den Weltjugendtag. Wenn es auch kein Stern war der uns nach Köln führte, so war es doch das Wort eines alten guten Mannes der uns nach Köln einlud, der uns einlud zu einer der großartigsten Kathedralen des Abendlandes, der uns einlud es den Königen gleich zu tun. Und so verwundert auch der Slogan des WJT kaum: Wir sind gekommen um IHN anzubeten. Doch stand in Köln nicht die einzigste Kathedrale. Auch dem Marienfeld wurde die Ehre zuteil Kathedrale für einen Tag zu werden. Und so brachten Pilger dort in Anlehnung an die Heiligen Drei Könige Gold, Weihrauch und Myrrhe dar, - vor einem Altar der nicht durch prunkvolle Verzierungen bestach sondern einfach durch schlichte Eleganz. Eben so zurückhaltend gab sich auch der Heilige Vater, der keinen Personenkult wollte, sondern eine lebendige Kirche, deren Grundfesten die heilige Eucharistie nur sein kann.
So merkte man auch sehr früh, dass in den ersten Tagen der WJT auch ohne den Heiligen Vater zum beeindruckenden Erlebnis wurde, das seinesgleichen sucht. Menschen trafen sich auf offener (bzw. ein wenig überfüllter) Straße und begannen zu reden, zu singen oder gar zu tanzen, - tauschten Erfahrungen in verschiedensten Sprachen aus und wenn es keine gemeinsame Sprache gab, so konnte man sich doch mit Händen und Füßen gut verständigen.
Eröffnet wurde der WJT dann in drei gewaltigen Messen in den Fußballstadien zu Köln, Düsseldorf und Bonn. Wir persönlich feierten die Messe in der Düsseldorfer LTU-Arena, wo eine beeindruckende Stimmung herrschte. Als dann aber auf der Videoleinwand eine kurze Dokumentation über Johannes Paul II eingespielt wurde war die Resonanz noch weit überwältigender: Von überall hörte man John Paul II We love you. Hörte man Beifall und sah man Menschen von ihren Plätzen aufstehen. Dann begann die Messe auf die die aus Köln übertragene Rede des Bundespräsidenten folgte, der in seiner Begrüßung klar betonte, dass die Jugendlichen „im Mittelpunkt des Weltjugendtages“ stehen. Ebenfalls aus Köln wurde der Einzug der Altargruppe übertragen, der vom Weltjugendtagskreuz und der Marienikone begleitet wurde. Zuvor allerdings zogen die Nationalflaggen der anwesenden Nationen in die Arenen um auf diese Weise zu verdeutlichen, wie viele Nationen aus aller Welt hier doch versammelt sind. – Zu verdeutlichen wie viele Nationen gekommen sind um IHN anzubeten.
Am folgenden Tag stand dann die Domwallfahrt im Vordergrund und so machten sich Hunderttausende auf um die Kathedrale zu besichtigen. Der Dom selbst war nahezu Bänke leer, andernfalls hätte er wohl kaum den Pilgermassen standhalten können. Pilgermassen, die beeindruckt waren von den hohen Gewölben, den prunkvollen Glasfenstern, dem kunstvoll verzierten Altarraum und die nicht zu vergessen: Beeindruckt waren, von der in einem Sarg aus Gold verehrten Reliquie. Am nächsten Tag, dem Donnerstag, kam dann der Heilige Vater in Köln an und fuhr mit einem Schiff einmal über den Rhein, vorbei an jubelnden Pilgermassen, die anschließend Richtung Dom pilgerten um dort den Papst noch einmal zu sehen, mit mehr oder weniger großem Erfolg. Freitag war dann der Tag der Kreuzwege, bevor es dann am Samstag zum Marienfeld ging, wo dann gegen Abend die Virgilfeier anfing in deren Zentrum die Lichtfeier stand. Und so tauchte das Licht das im Advent 2004 von Bethlehem nach Deutschland kam und verteilt wurde, das ganze Feld in ein helles Flammenmeer. Als die Nacht dann zum Morgen wurde begrüßte man Gott im Laudes das mit dem Lied: „Jesus Christ, you are my life“ eingeläutet wurde. Am späten Morgen begann dann die Heilige Messe auf dem Marienfeld mit Papst Benedikt XVI, der seine Predigt wie gewohnt in mehreren Sprachen vortrug. Nach einem langen, aber bewegenden Gottesdienst machten wir Pilger uns dann allmählich auf den Weg Richtung unseren Bussen und kamen dann nachts wieder zu Hause an. Doch mit uns kam die überwältigende Erfahrung Teil etwas Größeren zu sein. Teil einer lebendigen Kirche, deren Licht Jesus Christus ist.
Beschenkt hat Gott uns mit seinem Wesen, mit dem
Messias dem Sohn. Aus tiefem Fall ist der Mensch
genesen, und Jesus ist sein Lohn. Als wahrer Mensch
und als wahrhaft göttlich wird er Leben und Brot,
will die Gemeinschaft uns wiedergeben. Das rettet uns.
Wahrlich beschenkt wurden wir durch Jesus Martyrium, durch seine Auferstehung. Der Mensch selbst ist fehlerhaft. Er ist unfähig das seine Leben oder das seiner Mitmenschen zu sinnvoll und human zu gestalten, denn wie viele leben noch in Armut, in Krieg und in Ungerechtigkeit ? Warum aber lässt Gott so etwas zu ? Warum verhindert er es nicht, wenn er doch allmächtig ist ?
In dem Buch Illuminati von Dan Brown wurde darauf eine, wie ich finde, überzeugende Antwort gegeben. Stellen sie sich vor sie sind ein liebender Vater/Mutter. Würde sich ihr Kind ein Skateboard wünschen, sie würden ihm sicherlich eines schenken. Was aber würde er hinfallen und sich leicht verletzten ? Würden sie es ihm wegnehmen und nicht mehr wieder geben ? Sicherlich nicht. Nein, sie würden es ihm wiedergeben, damit er lernt. Ersetzen sie nun sich selbst durch Gott, ihren Sohn durch sich selbst und das Board durch das Leben. Gott schenkt uns das Leben, gibt uns Anleitung wie zu leben und überlässt es uns zu leben zu lernen. Wenn wir auch hinfallen so nimmt er es uns nicht, sondern lässt es uns noch mal versuchen. Denn wir sind vor Gott verantwortlich für diese Welt, einer Welt die er uns durch seinen Bund schenkte. Der WJT eröffnet uns nun die Möglichkeit diese Welt zu verbessern, ihr einen Teil ihrer Boshaftigkeit zu nehmen. „Der Tod ist tot und das Leben offen, und Ostern ist in der Welt“. Und genau das ist eines der Gefühle die den ganzen WJT beherrscht: Lebendig zu sein. Befreit zu sein. Befreit von Zwang, Gesellschaft, befreit von manch schlechter Norm. Und so bekannten unzählige Menschen auf offener Straße, in Geschäften, in Restaurants, in Stadien, auf dem Marienfeld, in den unzähligen Kirchen, in U-Bahnstationen: Jesus ist der Herr. The light of the world. The salt of the earth. Christo tra noi. Christus mit uns. Und so berührten sich Himmel und Erde, - da Menschen sich verbünden, den Hass überwinden, - da Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken, - da Menschen sich vergessen, die Wege verlassen und neu beginnen ganz neu: Da berühren sich Himmel und Erde, das Frieden werde unter uns....
Raphael Steden