Wir sind gekom
men um IHN
anzubeten. Unter diesem Motto kamen .... Jugendliche aus aller Welt nach
Deutschland um IHN anzubeten. Und wie vielfältig und wunderbar doch Anbetung
sein kann und wie sehr man doch auf den Pfaden der Urkirche, jener Ecclesias,
jener Gemeinschaft wandelte. Denn in der Woche der Begegnung erfuhren viele
Diozösen was es heißt Teil der Weltkirche zu sein, in welcher doch so viele
Menschen, Kulturen und Völker vereinigt sind. Wenn Jesus nun spricht: „Wenn zwei
oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“
erfährt dieser Satz in den zwei Wochen mehr Bedeutung denn jemals zuvor, - waren
doch auf dem Marienfeld mehr denn 1 Millionen Menschen versammelt. 1 Millionen
Menschen, mehr als 9600 Priester, mehr als 750 Bischöfe und ein Papst.
Freilich höre ich mir schon Menschen vorwerfen, wie sehr doch die Kirche vom „rechten“ Weg abgekommen sei und sich zu einem Personen- (Papst-) Kult entwickelt hat. Doch zeigten grade die Tage vor seiner Ankunft das Weltkirche mehr ist als nur ein Papst, ein „papa“. Im Lied zum Weltjugendtag 2000 in Rom heißt es:
Wir sind hier
Unter dem selben Lichte
Unter dem Baum des Lebens
Singen mit einer Stimme
WIR. Kirche ist Gemeinschaft, - ist Wir und nicht Ich. Doch ist jeder einzelne Teil dieser Kirche und nimmt Teil am selben Lichte und am selben Leben. Und wenn wir dann singen „Gloria in excelsis deo“ so tun wir es mit einer Stimme, die nicht einmal von Sprachen geteilt werden kann. Und genau das macht den Zauber des Weltjugendtages aus: Die Begegnung mit anderen Menschen, die ebenso gläubig, ebenso begeistert Eucharistie feiern. Zu wissen das Kirche, dass der Glaube und somit Gott selbst lebendig ist und das Gott mit uns ist. Deshalb dürfen wir laut singen: Emanuel. Gott mit uns. Doch wie kommt es das sich immer mehr Jugendliche für Glauben, für Gemeinschaft begeistern, begeistern für eine Kirche die von einem alten „Greis“ vertreten wird ?
Ich selbst wurde „angesteckt“ von einem Freund, der 2002 in Toronto war. Würde ich einen unserer brasilianischen Gäste fragen, würden sie mir sicherlich sagen, er wurde vom Heiligen Geist erfasst. Inwieweit diese Aussage richtig ist vermag ich nicht zu sagen, ich mag allein zu sagen, das ich dieses Jahr in Köln ebenfalls von dieser Begeisterung angesteckt wurde. Einer Begeisterung die größer ist als alles andere, was ich vorher in meinem Leben erfahren hatte. Es ist einfach ein überwältigendes Gefühl in eine U-Bahnstation zu kommen und Menschen singen und jubeln zu hören, obschon sie seit fast fünf Stunden dort warteten. – ein überwältigendes Gefühl am Rhein zu stehen und Menschen zu sehen, die knietief im Wasser stehen um diesem alten „Greis“ nah zu sein. – ein überwältigendes Gefühl mit einer Millionen (!) Jugendlichen die heilige Messe zu zelebrieren. Ein Gefühl das wahrscheinlich nur mit einem Wort ausgedrückt werden vermag: Emmanuel. Gott mit uns. Denn es gab kein Streit, sogar die Kriminalität war geringer denn jemals zuvor, - es gab lediglich eines: Gemeinschaft, ecclesias.
Doch was brachte Könige vor mehr denn zweitausend Jahre dazu ihre Paläste zu verlassen? Was brachte sie dazu einem Stern zu folgen und ihre Knie vor einem Kind in einer Krippe zu verbeugen? Ja, was brachte sie dazu ihre Knie vor dem Kind eines Zimmermannes zu beugen? Vielleicht war es der Stern, vielleicht aber auch der Heilige Geist. Vielleicht wussten sie um die Bedeutung des Kindes. Denn es war Christus, es war der Messias.
Und was ist mit uns? Wissen wir um die Bedeutung dieses Kindes? Dieses Mannes der vor fast zwei Jahrtausenden für uns am Kreuz starb? Im Lied zum Kreuzweg heißt es:
Du am Kreuz,
Das ist mehr als ich fassen kann
Eine Quelle der Gnade
Und so ziehst Du mich an
Das ist mehr als ich fassen kann. Mehr Liebe, mehr Gottvertrauen, denn man sich vorstellen kann. Heute ziehen Jugendliche nach Köln um IHN anzubeten. Ziehen nach Köln um den Dialog zu suchen. Und nicht nur die Jugendlichen ziehen nach Köln. Mit ihnen zieht das Weltjugendtagskreuz und die Marienikone. So ist immer das Leiden Christi präsent, zusammen mit seiner glorreichen Auferstehung, die sich in den Herzen der Gläubigen wiederspiegelt, in deren Gesängen und Tänzen, in deren Gebete und in deren Gedanken. Und die Marienikone ? Sie erinnert uns an die Mutter Gottes. Eben jener Frau die Johannes Paul II mit Millionen Gläubigen doch so sehr verehrt. Johannes Paul II. Ein Papst der Herzen. Ein Papst der noch nach Köln einlud aber leider nicht mehr unter uns weilen konnte. Totus tuus hieß sein Grundsatz. Ganz dein Maria.
So wurde Köln zur „Probe“ für Benedikt XVI, zu einer Probe die er bestens bestand. Doch wurde Köln für uns alle zu einer Geduldsprobe. Übervolle Züge, übervolle U-Bahnen, übervolle Straßen. Freilich war es anstrengend, grade der Weg vom Marienfeld zu den Bussen doch hat es sich und da glaube ich für alle eine Millionen Pilger sprechen zu können mehr als gelohnt. Denn wir waren nun mal dort um IHN zu begegnen. In Brot und Wein. In Dir und Mir und wenn man uns fragt wofür wir dieses Kreuz auf uns nahen so ist die Antwort eindeutig: Venimus adorare eum. Emmanuel. Gott ist mit uns.
Raphael Steden